Lady Sunshine und Mr. Moon
... trafen sich um es zu tun!

oder:

die Totale Sonnenfinsternis am 29.Maerz 06

Beobachtungsort: Cirali, Tuerkei
Ausruestung: "Black Beauty" mit 18-125mm Sigma
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Animation der Finsternis
zu den Landschafts- u. Beobachtungsfotos
"Wie langweilig, noch ein SoFi-Bericht!" - Aber ich müsste lügen, würde ich behaupten, meine erste totale Sonnenfinsternis sei nicht das fuer mich beeindruckendste (Astro)erlebnis schlechthin gewesen! Und da ich so schlecht lügen kann, hier also mein Bericht darüber, wie es ist, wenn sich Lady Sunshine und Mr. Moon für kurze Zeit zusammentun...

Ich war mit Leuten von meiner Astronomie-AG aus Berlin in der Türkei. Als Ausrüstung hatten wir einen kleinen Refraktor, einen 10x50 Feldstecher sowie Kameras mit diversen Teleobjektiven dabei. Unser Beobachtungsplatz lag in der Nähe von Cirali suedlich von Kemer. Es war ein Strand in wunderbarer Lage, von Bergen umgeben. Im Gegensatz zu den vielen Beobachter in Side haben wir hier unsere Ruhe gehabt. Das schöne Wetter lud vor Beginn der Verfinsterung noch zum Baden ein, und so begann die Finsternis ganz langsam und idyllisch, und ich harrte ganz ruhig der Dinge, die da auf mich zukommen würden.

Lady Sunshine hatte sich besonders schön fuer das Treffen mit ihrem Liebsten gemacht - und so war sie vollkommen fleckenfrei und strahlte nur so auf uns herab! Ich machte alle paar Minuten ein Foto mit meiner Canon Eos 350d und dem Sigma 18-125mm Objektiv. Die Zeit wollte am Anfang kaum vergehen, und wir beteten alle, dass sich das Wetter bis zur Totalität halten würde. Ab ungefähr 60% Bedeckung wurde es merklich kühler und windiger! Die Zeit schien immer schneller zu vergehen, und die Aufregung stieg natürlich! Mehr als 80% Bedeckung hatte ich vorher noch nicht erlebt.

Als schließlich nur noch eine schmale Sichel zu sehn war, die an beiden Ende langsam zusammenwuchs, beschleunigte sich mein Puls rapide! Ich rannte herum wie ein aufgeschrecktes Huhn! Die Lichtverhältnisse änderten sich minütlich. Ich hatte das Gefühl, im komplett falschen Film zu sein. Die Sonne schien zwar hoch am Himmel, aber das Licht war gleichzeitig so gedämpft wie kurz vor einem Sonnenuntergang! Das war das Merkwürdigste, was ich je erlebt habe! Ich muss zugeben, dass fuer mich die letzten ein bis zwei Minuten VOR der Totalität beeindruckender waren als die Totalität selbst! Man kann die innerliche Aufregung nicht beschreiben, mir war schwindlig und als ob ich träumen würde!

Und plötzlich flimmerte der ganze Boden! Die fliegenden Schatten - ich hatte nicht damit gerechnet, daß man sie so deutlich sehen würde! Dieses Flimmern verstärkte Stress und Schwindelgefühl noch mehr! Währenddessen sagte mir jemand aus scheinbar weiter Ferne, daß Venus und Merkur auftauchen würden. Ich raffte gar nichts, hatte aber immer die Hand am Fernauslöser und knipste geistesabwesend.

Irgendwann kam ich zu mir. Die Totalität... fast eine Erlösung! Ich riss den Sonnenfilter vom Kameraobjektiv und machte meine Belichtungsreihen - ohne wirklich bei der Sache zu sein! Nach endlos anmutenden Sekunden begriff ich, dass die Zeit knapp war und eilte zum Fernglas, um die Korona in ihrer ganzen Pracht zu bewundern. Der Anblick war einfach unvergesslich, aber auch irgendwie unheimlich! So hatte ich die Sonne noch nie gesehen! Aus dieser kurzen Zeit nahm ich soviele Eindrücke mit - kaum vorstellbar, dass das Ganze nur drei Minuten gedauert haben soll! Wenn ich im Nachhinein an diese Momente denke, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut und mir kommen fast die Tränen :)

...Dann ganz plötzlich schien es, als ob auf der Seite des Mondes jemand eine Taschenlampe anknipsen und zu uns runterleuchten würde! Man könnte aber auch sagen: Lady Sunshine löste sich aus ihrem innigen Kuss mit Mr. Moon und es funkte bis zu uns hinunter! Meine Theorie ist, dass er ihr einen Antrag gemacht hat, denn wir nahmen alle sehr deutlich einen Diamantring wahr :-) Dieser Augenblick wurde von mir natürlich auf dem Chip festgehalten, bevor der Sonnenfilter wieder vor das Objektiv wanderte, um auch das empfindliche Auge meiner Kamera vor dem zurückkehrenden Sonnenlicht zu schützen.

Nach diesen aufregenden Minuten kam ich auch langsam wieder zur Ruhe. In der verbleibenden Zeit tauschten wir untereinander unsere Eindrücke aus; verständlicherweise interessierte sich kaum einer mehr fuer die partielle Phase! Die obligatorischen Fotos wurden natürlich gemacht, aber unsere Gedanken kreisten nur noch um dieses einmalige Erlebnis der Totalität...

Der Stress mit der Anreise, die Magenverstimmung durch das türkische Essen - alles verliert seine Bedeutung, wenn ich mich an diese wunderschönen und atemberaubenden Momente erinnere! Ich bin sehr froh, dass ich diese Gelegenheit, eine totale Finsternis zu sehen, ergriffen habe und träume schon von der nächsten Reise unter den Kernschatten des Mondes :)